Brief des Pfarrers, März 2024

Wir brauchen auch die räumlichen Grenzen – jene unseres Wohnraumes, unseres Grundstückes, unserer Ortschaft, in der wir leben, unserer Pfarre, unseres Landes und darüber hinaus. Schön wäre es, wenn es mehr Brücken als Zäune und Grenzen gäbe. Wir sind keine Einzelwesen. Gott sei Dank. Wir sind Gemeinschaftswesen und erst dadurch werden wir überlebensfähig, können wachsen und uns im Idealfall entfalten. Wir brauchen das Du, um zum Ich werden zu können.
Alle Vergleiche mit der Natur sind holprig, bergen aber dennoch tiefe Wahrheiten in sich. Teilen wir uns doch unseren Lebensraum Erde mit Milliarden von Menschen, Tieren und Pflanzen. Erst im guten Zusammenspiel ist für möglichst viele ein gedeihliches Leben möglich.
Die meisten Topfpflanzen gedeihen nur gut, wenn der Topf nicht zu groß ist und die Pflanze mit ihren Wurzeln an die Grenze stößt. Dann erst sprießen neue Triebe und Blüten, die das Potential enthalten, auch Früchte zu bringen.
Auch wir laufen meist erst zur Hochform auf, wenn wir an unsere Grenzen stoßen. Erst durch die Akzeptanz der Begrenztheit kann der Mensch zu seiner vollen Größe heranwachsen. Das ist kein pessimistischer Denkansatz, sondern ganz im Gegenteil: In der Begrenztheit liegt ein ungeheures Energiepotential. Um bei den Pflanzen zu bleiben: Wenn die Wurzeln an den Topfrand geraten oder an die Wurzeln von Nachbar-pflanzen, gibt es die zwei Möglichkeiten: Ich kann resignierend aufgeben oder erst recht „durchstarten“.
-->